Montessori Schule Langenhagen

  • Schrift vergrößern
  • Standard Schriftgröße
  • Schriftgröße verkleinern
Start Einführung in die Montessori Pädagogik

Einführung in die Montessori-Pädagogik

 

Ziele der Montessori-Pädagogik
Eine Schule, die nach den Grundsätzen der Montessori-Pädagogik arbeitet, orientiert sich pädagogisch und didaktisch an den Bedürfnissen des Kindes. Sie muss wissen, dass diese Bedürfnisse nicht so sehr auf Ziele außerhalb der Kinder ausgerichtet sind, sondern dass es vordringlich um die persönliche Entwicklung geht. Es ist nicht ihre wichtigste Aufgabe, den Kindern das zu vermitteln, was die Schule schlechthin zu leisten hat, sondern sie muss in erster Linie dafür Sorge tragen, dass die Entwicklung zum ganzen Menschen im Kinde nicht gestört wird.

Die Eltern haben mancherlei Gründe, die sie veranlassen, ihr Kind in einer Montessori-Schule anzumelden. Unter anderem antworten sie auf die Frage, warum sie zu uns kommen: „Bei Ihnen wird unser Kind zur Selbständigkeit erzogen". Hinter dieser Antwort steht unausgesprochen die Meinung, das Programm einer Montessori-Schule schließt außer Rechnen, Schreiben, Lesen auch noch die Erziehung zur Selbständigkeit mit ein.

Es ist richtig, dass in der Montessori-Pädagogik die Selbständigkeit eine große Rolle spielt. Aber diese Selbständigkeit wird nicht von den LehrerInnen oder von der Schule gemacht. Sie wird überhaupt nicht gemacht, denn sie gehört zum Menschen und zu seiner geistigen Entwicklung dazu, wie die fünf Finger zu einer Hand. Sie ist im Kinde grundgelegt, von Anfang an.

Der Arbeit in unserer Schule liegt unter anderem die Erkenntnis zugrunde, dass wir den Menschen nicht „machen". Wir wissen, dass wir das Kind nicht laufen machen, nicht lesen machen, nicht riechen, nicht sehen; wir machen es auch nicht selbständig. Wenn also das Kind die Anlage und die Fähigkeit von Natur aus mitbringt, ein selbständiger, verantwortlicher Mensch zu werden, dann kann die Aufgabe der Lehrkräfte nur lauten: Hilf dieser Fähigkeit zu ihrer vollen Entfaltung. Damit ist eine andere Haltung des Lehrers dem Schüler gegenüber gefordert.

Wenn wir die Kinder bei ihrer Entwicklung beobachten, dann können wir die Fähigkeit und Kraft erkennen, die ihre Selbstentwicklung sichert. Es zeigt sich, dass diese Kraft im umgekehrten Verhältnis zur verantwortlichen Zurückhaltung des Erwachsenen wächst. Maria Montessori machte in einem Vergleich den Unterschied zwischen Entwicklung und Beibringen deutlich. „Wenn wir beim Laufenlernen so vorgehen würden, wie beim Lesenlernen, dann stellten wir das Kind auf einen Tisch und führten zuerst das linke Bein hoch - vor - und wieder runter. Danach den gleichen Vorgang mit dem rechten Bein und so weiter . Wenn das Kind dann schließlich laufen könnte, würden wir sagen: „Ich habe es laufen gemacht".

Dieser Aufbau des Kindes zu einem selbständigen Menschen, der sowohl den Beginn der einzelnen Phasen und Schritte, als auch die Ziele, im Kinde selber hat, ist nicht auf die Entwicklungen der Bewegung und auf soziale Bildung wie Sprechen und Spielen beschränkt. Auch das, was in den Schulen als Kulturtechnik gelehrt wird, ist nach Montessori im Kinde vorgegeben.

Die Unterrichtsform jedoch, die wir in den üblichen Schulen erleben, berücksichtigt zuerst den Plan der Richtlinie, der beispielsweise auf alle Sechsjährigen ausgerichtet ist, der stundenweises Lernen für alle vorsieht, der für ganz bestimmte Zeitabschnitte ausgerechnet ist. Ein Plan, der von den Erwachsenen, von Lehrern bis hin zu Politikern, ausgedacht wurde. Wahrscheinlich nicht verantwortungslos; aber doch viel zu sehr vom Erwachsenen aus.

Es wird wie immer dabei zu sehr vom Ergebnis aus gedacht. Wir vergessen, dass die Kinder ihren eigenen Plan haben. Sie haben ihn wie eine Art Programm in sich. Die Erwachsenen, also die Eltern und LehrerInnen, sind in der Regel bereit, diese Eigenentwicklung zu respektieren, solange sie mit ihren eigenen Erwartungen übereinstimmt. Im Grunde wissen wir alle, dass Lernen anders stattfindet.

Dennoch machen wir immer wieder in unserem Unterricht den Fehler der direkten Methode. Im 5. Schuljahr wird z.B. nach den Richtlinien das Thema „Deutschland" im Geographieunterricht so auf die Erdkundestunden des ganzen Jahres verteilt, dass der gesamte Stoff in einem Plan untergebracht ist. Am Ende des Jahres lautet die Rechtfertigung: Programm erfüllt. Jeder weiß aber, dass das eigentliche Lernen, auch in Erdkunde, anders stattfindet. Das, was die Lehrkräfte indirekt zum Thema beitragen, ist oft von ganz anderer Wirkung. Nicht die Erfüllung des Programms sichert das Lernen und die Bildung. Anregungen und Anstöße zum eigenen Denken stehen nicht selten dem Abfragen und Zensieren entgegen. Besonders im Grundschul- und Vorschulalter findet Lernen hauptsächlich in der indirekten Weise statt.


Die Montessori-Methode
Die Montessori-Pädagogik hat besonders in der Grundschule ihre Ergänzung in der Montessori-Methode. Montessori gibt dem Kind ein Material in die Hand, das für ganz bestimmte Lernschritte hergestellt wurde. Nachdem sie ihm zeigt, wie damit gearbeitet wird, lernt das Kind selbständig. In einer verkürzten Sicht mag dieser methodische Teil irrtümlich als das Kernstück des Montessori-Unterrichts erscheinen. Es gibt Eltern, die glauben, mit diesen didaktischen Hilfsmitteln lernen ihre Kinder leichter und lieber und kommen dadurch schneller zum Abitur. In der Tat, Kinder lernen so leichter und lieber und auch mehr, jedoch nicht, um die Erwartungen der Eltern zu erfüllen. Sie haben Freude am Lernen, weil es zu ihrem Leben gehört. Die Methode ist nur eine Hilfe für die Kinder, alles selbst zu tun. Wer Montessori als eine neue Didaktik versteht, hat sie nicht verstanden.

Wenn Kinder ihre Muttersprache lernen, besuchen sie noch keine Schule. Sie erlernen die Sprache ihrer Umwelt mit allen ihren Schwierigkeiten. Die grammatikalischen Schwierigkeiten, die Eigenheiten in Betonung und Lautierung sowie den Gebrauch der Sprache als Ausdrucksmittel ihrer Stimmung, wenden sie richtig an. Der natürliche Vorgang des Spracherwerbs wartet nicht auf die Erlaubnis einer Schulbehörde. Der schwierige Prozess des Erlernens der Grammatik ist lange vor der Einschulung abgeschlossen. Diese Erkenntnis müsste Grund genug sein, den Sprachunterricht der Schulkinder neu zu überdenken.

Die Grammatikarbeiten in der Montessori-Schule können mit Material durchgeführt werden. Es gibt Symbole für die Wortarten und Pfeile mit Fragen für die Satzzerlegung. Die Kinder lernen damit das Erfragen der Satzteile. Durch anschließende Übungen erleben sie die grammatische Struktur und gewinnen Einsicht in die Sprache. Diese Arbeit machen die Kinder, sobald sie lesen können. Das Lesenlernen ist aber nicht erst ab dem 6. Geburtstag möglich. Die Hilfe kommt von außen; das Lesen selbst ist wie eine Häutung nach innen. Das muß jedes Kind selbst machen. Die Lese- und Schreiblehrgänge in den ersten Schuljahren sind mehr eine Beschäftigung der Erwachsenen mit ihren eigenen Problemen. Es geht ihnen dabei immer um Didaktik.

In unseren Lerngruppen arbeiten Kinder mit einem mathematischen Material, um Quadratzahlen zu bilden oder Quadratwurzeln zu ziehen. Es handelt sich dabei um ein ganz einfaches Nachbauen von mathematischen Strukturen, die ihnen von Lehrerinnen und Lehrern gezeigt wurden. Mit farbigen Stiften kann jeder Lernschritt auf dem Papier festgehalten werden.

Ein Arbeiten in dieser Weise, das für das Kind ein wiederholendes Lernen wird, stellt an Lehrerinnen und Lehrer bestimmte Bedingungen. Das entsprechende Material, wir verstehen darunter das Entwicklungsmaterial, muss in einer vorbereiteten Umgebung bereitstehen. Diese vorbereitete Umgebung richtet sich nach den Bedürfnissen des Kindes und nach der Eindeutigkeit der Lernziele, die das Material vermittelt. Diese sind allerdings didaktisch konzipiert. Damit ist die Frage nach der Stellung des Lehrers in der Montessori-Schule aufgeworfen.


Stellung des Lehrers in der Montessori-Schule
Wenn ein Kind zu Maria Montessori einmal sagte:"Hilf mir, es selbst zu tun", dann kommt damit eine wichtige Aussage über das Verhältnis von Lehrer/in und Schüler zum Ausdruck. Ein Schüler meiner Klasse wartete schon über zwei Tage auf meine Hilfe. Er brauchte mich, damit ich ihm ein neues Material zeige und erkläre. Während dieser zwei Tage bat er mich mehrmals darum. Da ich durch andere Pflichten in Anspruch genommen war, musste er warten und sich neuen Aufgaben zuwenden. Dennoch lautete schließlich seine Frage: „Wann hilfst du mir endlich?" Er wollte und konnte nicht auf den Lehrer verzichten.

Ein anderes Beispiel, das scheinbar das Gegenteil beweist, erlebte eine Lehrerin mit einem sechsjährigen Mädchen. Dieses Kind umarmte die Lehrerin eines Tages mit den Worten: „Ich mag dich so, weil du mir nie hilfst!" Steht also das Verlangen nach Hilfe im ersten Beispiel der Freude über die nicht erteilte Hilfe im zweiten Beispiel entgegen? Ich denke, dass wir hier erleben können, wie unterschiedlich die Hilfe aussehen kann.

Zwischen den in den beiden Beispielen aufgezeigten Polen gibt es viele verschiedene Formen von „Helfen". Bei der Montessori-Arbeit ist es von besonderer Wichtigkeit, dass die Lehrkräfte ihre Aufmerksamkeit noch mehr dem Kind als der Arbeit selbst zuwenden. Auch hier gilt der Grundsatz, dass alles das, was Kinder selbst machen können, auch von ihnen selbst gemacht wird.

Wenn wir in der Montessori-Schule die Beobachtung, dass Kinder lernen wollen, der Aufgabe, die die Schule zu leisten hat, zugrunde legen, dann sieht das pädagogische Konzept entsprechend anders aus als bei einer Schule, die sagt: „Die Kinder müssen lernen."


Didaktische Ziele der Montessori-Schule

Zum Montessori-Material gehört die methodisch-didaktische Anweisung, wie damit gearbeitet wird. Diese Anweisung hilft bei der Handhabung, wenn die Kinder selbständig lernen. Die Konzeption des Materials ist naturgemäß auf ein Lernziel ausgerichtet. Also ist an dieser Stelle doch die Frage nach der Didaktik aufzugreifen. Wenn Montessori in den Anweisungen zum Material eine didaktische Konzeption verfolgt, dann geschieht das, um die Selbsttätigkeit zu fördern. Es geht ihr wirklich nicht darum, dass die Kinder schneller zum Abitur kommen. Bei ihr ist dieses Ziel das Sekundäre, das Primäre ist der Weg. Das, was unterwegs zum Ziel geschieht, das ist das Wichtige. Unsere Beobachtung richtet sich auf die Erfahrungen, die bei der Arbeit gemacht werden. So erfährt das Kind zum Beispiel während der Arbeit mit dem Multiplikationsbrett die mathematische Struktur unseres Zahlensystems, es kann das Wesen der Multiplikation entdecken und erlebt dabei, dass die Welt der Mathematik keine feindliche Welt ist, sondern dass es selber dazugehört. Nicht ein fehlerloses Rechenergebnis, sondern die Grunderfahrungen mathematischer Strukturen sind das Ziel dieser Übung. Doch ich habe noch kein Kind gesehen, dem die Ergebnisse der mathematischen Vorgänge gleichgültig gewesen wären.

Was können wir in der Schule eigentlich mehr erreichen als den Menschen? Als Montessori ihre Pädagogik entwickelte, hat sie nicht an eine bestimmte Schule gedacht. Sie orientierte sich am Kind. Wenn wir heute ihre Pädagogik praktizieren wollen, dann stehen wir immer vor dem Problem, wie kriegen wir diese Pädagogik in die Schule von heute hinein? Das ist offenbar immer noch eine schwierige Frage. Früher mußten wir uns gegen die öffentliche Meinung durchsetzen, heute gegen das öffentliche Wohlwollen, das in der Regel nur die Didaktik dieser Pädagogik im Blick hat.


Die vorbereitete Umgebung
Ein Montessori- Lerngruppenraum hat schon aus diesem Grunde ein anderes Gesicht. Die Freundlichkeit und auch die Wohnlichkeit eines solchen Raums bleiben erhalten, obwohl, oder gerade deswegen, weil dort individuell gelernt und gearbeitet wird. Die „Vorbereitete Umgebung" erzieht mit.


Die Gruppe und der Einzelne
Das individuelle Lernen trägt die Gemeinschaft. Eine Klasse bzw. Lerngruppe lebt davon, dass jeder die Möglichkeit hat, alleine zu arbeiten. In der Praxis kommt es allerdings selten vor, dass sich alle alleine beschäftigen. Das Arbeiten in selbstgewählten Gruppen ist häufiger. Irgendwo im Raum findet der Besucher auch den Lehrer, der ja mitarbeitet. Die Kinder gehen ganz normal durch die Klassen, um etwas zu holen oder wegzubringen. Sie sprechen normal miteinander; auch mit dem Besucher. Sie lachen normal, sie zanken sich normal, sie sind unruhig oder sie arbeiten. Ihre Zeit in der Schule ist wirklich ihre Zeit. Aber bei all dem stehen sie auch unter dem Gesetz der Gruppe. Wo sollen sie denn sonst die Freiheit und ihre Grenzen erfahren, wenn nicht bei der Arbeit, die sie mögen.